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Vogelschutzgebiet Mittlere Oderniederung

(SPA Special Area of Conservation)


Das Europäische Vogelschutzgebiet „Mittlere Oderniederung“ ist im Osten Brandenburgs gelegen und erstreckt sich auf 145 km Länge entlang der deutschen Seite der Oder. Beginnend an der Mündung der Lausitzer Neiße im Süden nimmt es flussabwärts im weiteren Verlauf der Oder Teile der Neuzeller Wiesenaue, der Ziltendorfer Niederung ein, führt an Frankfurt (Oder) vorbei, breitet sich im Oderbruch bis zu einem Drittel der Fläche aus und reicht dann bis in den Lunow-Stolper Polder des Nationalparkes „Unteres Odertal“. Es umfasst eine naturnahe halboffene Flussauenlandschaft in einer abwechslungsreichen Abfolge vielfältiger Lebensräume und auch im Deichhinterland in unterschiedlicher Tiefe die begleitende, landwirtschaftlich geprägte Kulturlandschaft. Eine Vielzahl nationaler Schutzgebiete und an die Europäische Union gemeldeter Fauna-Flora-Habitat (FFH) – Gebiete reihen sich insbesondere im flussnahen Bereich aneinander und sind ein beredter Ausdruck für die hohe Wertigkeit der Tier- und Pflanzenwelt der Oderniederung. Als einer der letzten naturnahen Ströme Mitteleuropas unterliegt die Oder zudem einer ausgeprägten Abflussdynamik, die durch extreme Wechsel zwischen Niedrigwasserperioden und Hochwasserständen oft mehrmals im Jahresverlauf gekennzeichnet ist und somit ein ständig wechselndes Angebot gestaltet.


Bis jetzt sind 138 Vogelarten bekannt, die im Gebiet brüten. Davon werden 27 Arten im Anhang I der europäischen Vogelschutzrichtlinie geführt. So ist u.a. auf Sandbänken bei der Umflut der Insel Kietz-Küstrin sowie Buhnenfeldern nahe Aurith der „vom Aussterben bedrohte“ Flußuferläufer, im Schilfgebiet mit Altwässern des Kalenziger Polders eine Kolonie der Trauerseeschwalbe zu beobachten und die Große Rohrdommel zu hören, sind Schwarz- und Mittelspecht u.a. im Hartholzauwald bei Frankfurt und dem Hutewald der Genschmarer Bunst präsent. Ein oder gar mehrere Weißstorchhorste – die Gemeinde Kienitz (Oder) hat deren 6 - kann entlang der Oder im Oderbruch jeder Ort aufweisen. Rot- und Schwarzmilan, Rohrweihe, Kranich, Eisvogel und Sperbergrasmücke sind fast flächendeckend in ihren Bruthabitaten zu sehen. In manchen Abschnitten entlang der Deiche grenzt ein Neuntöterrevier an das andere. Der seltene Wachtelkönig ist ab Mai verschiedenen Orts, manchmal auch in Rufgemeinschaften im Wiesenland zu hören. Blaukehlchen, Brachpieper, Heidelerche und Ortolan sind nur vereinzelt anzutreffen und äußerst selten die Wiesenweihe. Die Reviere mehrerer Arten sind grenzüberschreitend, so brüten z.B. Seeadler und Schwarzstorch zumeist in den Wäldern auf der Ostseite des Flusses, sind zur Nahrungssuche aber regelmäßig auf der Westseite anzutreffen. Ähnliches trifft u.a. auch für Fluss- und Zwergseeschwalbe sowie den Gänsesäger zu.


Eine ganz herausragende Bedeutung hat das Gebiet als Leitlinie für den Vogelzug und innerhalb des Europäischen Biotopverbundes NATURA 2000. So grenzen im Norden des Gebietes das Biosphärenreservat „Schorfheide – Chorin“ und der Nationalpark „Unteres Odertal“ unmittelbar an. Hervorzuheben ist auf der polnischen Seite der „Krzesinski“ – Landschaftsschutzpark im Süden, der u.v.a. im Ort Klopot neben einem Weißstorchmuseum etwa 20 besetzte Storchenhorste auf Dächern der Häuser aufweisen kann. Geradezu exorbitant ist aber die Bedeutung des sich bei Küstrin östlich erstreckenden Nationalparkes „Warthemündung“ – eines der wertvollsten Gebiete Polens überhaupt. Seine Funktion auch für das Brutgeschehen und den Vogelzug im Vogelschutzgebiet „Mittlere Oderniederung“ kann nicht hoch genug veranschlagt werden. Verdeutlichen mag das allein der Vergleich, dass in ihm von den 245 festgestellten Vogelarten, 160 Arten auch brüten, sowie dass im Spätherbst die nordischen Saat- und Blessgänse Konzentrationen mit bis zu 200.000 Tieren erreichen können. In der „Mittleren Oderniederung“ gehören in dieser Zeit allein in der Feldflur des Oderbruchs mehrere Schwärme mit zwei- bis fünftausend Exemplaren bei der Äsung zu den fast selbstverständlich beobachtbaren Erlebnissen. Im besser sichtbar werdenden Frühjahrszug der Enten, werden Konzentrationen erreicht von z.B. 360 Spießenten im Kienitzer Polder, 900 Pfeifenten zwischen Genschmar und Güstebieser Loose. Von den Limikolen sind die Kiebitze im Zuggeschehen mit Abstand am häufigsten, aber auch die Goldregenpfeifer können allein im nördlichen Oderbruch Konzentrationen über 4000 Exemplaren erreichen. Stelzenläufer, Knutt, Sanderling, Temminck-und Zwergstrandläufer, Sumpfläufer, Zwergschnepfe, Regenbrachvogel und Pfuhlschnepfe u.a. gehören zu den seltenen Gästen.


So bietet jede Jahreszeit mit ihren jeweiligen Reizen ein recht unterschiedliches, in jedem Fall aber reichhaltiges Artenspektrum der Vogelwelt, das hier nur angedeutet werden kann. Der ganze Reichtum des Vogelschutzgebietes erschließt sich natürlich erst bei Exkursionen am Ort. Das Vorgenannte und noch viel mehr ist vom Oder – Neiße – Radweg aus zu beobachten, ein gutes Fernglas sollte aber mitgeführt werden. Der Radweg vornehmlich auf den Deichen neu angelegt, verläuft von Süd nach Nord durch das ganze Gebiet, ist mittlerweile gut ausgeschildert und hat in den berührten Orten auch verschiedene Möglichkeiten zur Einkehr und Übernachtung. Wer sich zu den Aspekten des Naturschutzes im Gebiet weiter kundig machen möchte, dem sei die Internetseite des Landes Brandenburg NATURA2000.Brandenburg und der Artikel „Das Europäische Vogelschutzgebiet (SPA) Mittlere Oderniederung“ von Andreas Stein (Naturschutz und Landschaftspflege in Brandenburg; Heft 3,4 2005) empfohlen.

Gebietssteckbrief [88 KB]

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